Langsamer werden ist keine Selbstverständlichkeit.

Es ist eine Entscheidung, und in der Welt, in der wir leben, braucht sie tatsächlich etwas, das sich wie Mut anfühlt.

Denn schnell zu sein ist normal. Beschäftigt zu sein ist normal. Die Schultern hochzuziehen, den Kalender zu füllen, immer einen Schritt vorauszudenken, das ist so tief in uns eingeschrieben, dass wir es kaum noch bemerken. Höher, schneller, weiter. Optimieren, funktionieren, liefern.

Und wer da aussteigt? Wer sich hinsetzt, ohne einen Grund dafür zu haben? Wer einfach ist, ohne gleichzeitig zu werden?

Der fällt auf. Sogar sich selbst. 

Was viele nicht wissen: Das ist kein Willensproblem. Das ist Biologie.

Unser Nervensystem ist darauf ausgerichtet, das Vertraute als sicher zu bewerten. Und wenn das Vertraute seit Jahren Tempo, Leistung und Funktionieren ist, dann wird Langsamkeit zunächst als etwas Unbekanntes, als Abweichung, als potenzielle Gefahr registriert.

Was dramatisch klingt, ist schlicht die Logik des Nervensystems: Was neu ist, wird erst einmal geprüft. Und so entsteht dieses merkwürdige Phänomen, dass sich ausgerechnet Ruhe unruhig anfühlt. Dass Innehalten Unwohlsein erzeugt. Dass der Körper auf Entspannung mit einem inneren Alarm reagiert, der flüstert: Ist das wirklich okay? Solltest du nicht eigentlich…?

Das ist kein Zeichen, dass du falsch liegst. Es ist ein Zeichen, wie lange du schon so gelebt hast.

Deine innere Kommentarfunktion

Ich kenne die innere Kommentarfunktion, die sofort anspringt, wenn man zur Ruhe kommt. Sie klingt streng und ist sehr, sehr fleißig.

Aber: Sie es lügt.

Nicht weil sie dir etwas böses will, sie kennt es eben nicht anders. Sie wurde trainiert in einer Kultur, die Leistung belohnt und Stille misstrauisch beäugt. Die Ruhe als etwas behandelt, das man sich erst verdienen, für das man sich sogar rechtfertigen muss.

Ankommen bedeutet, diesem System für einen Moment nicht zu glauben.

Yin Yoga hat mich das gelehrt, oder besser: es hat mich daran erinnert. Denn tief drin wissen wir es noch. Der Körper weiß es noch.

Wenn du in einer Position liegst und die einzige Aufgabe lautet, nichts zu tun, wirklich nichts, dann begegnet dir möglicherweise zuerst der Widerstand in Form von Unruhe, kribbeln oder dem Impuls, irgendetwas zu machen, sich zu bewergen.

Und dann, irgendwann, wenn du trotzdem bleibst, passiert etwas Merkwürdiges.

Eine Stille, die sich nicht leer anfühlt, sondern ganz.

Das Ding mit dem Sein

Das ist das Ding mit dem Sein, das uns niemand so richtig beigebracht hat: Es braucht nichts. Es fordert nichts. Es wartet nicht auf Erlaubnis.

Du bist bereits. Jetzt. Ohne Leistung, ohne Beweis, ohne den nächsten Schritt auf deiner Liste.

Und in diesem Sein liegt eine Leichtigkeit, die das ewige Müssen niemals hat. Weil das Müssen immer auf etwas Zukünftiges schaut. Weil es nie wirklich ankommt. Weil es immer noch ein bisschen mehr braucht.

Das Sein ist schon da. Du bist schon da.

Ankommen ist deshalb keine Technik oder ein Ritual, das du erst einüben musst.

Es ist die Entscheidung, für einen Moment aufzuhören zu glauben, dass du noch irgendwo anders sein müsstest. Es ist die Bereitschaft, dem Nervensystem sanft zu zeigen: Hier ist es sicher. Auch wenn es sich zunächst nicht so anfühlt.

Einatmen. Ich bin hier.

Ausatmen. Ich lasse los.

Es klingt so einfach und es kostet trotzdem Mut. Weil es bedeutet, der Geschwindigkeit, die uns umgibt, für einen Moment nicht zu folgen.

Aber genau das ist der Anfang.

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Leben in Balance – Life Trust Coach Katrin Rostenbeck in Schwerin und Umgebung

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